oder:  glücklich trotz DNF.
Tja, da hatte ich mal wieder die Rechnung ohne die Topographie der Bergstrasse gemacht. Beim Blick auf den aktuellen Stand meiner Benzinanzeige entschloss ich mich, den Weg zu Fuss von Handschuhsheim aus Richtung Dossenheim anzutreten.
Sind, auf dem unten am Hang entlang führenden Blütenweg, auch nur knappe 2 Kilometer zu laufen. Aber da es sehr heiß war und ich nun nicht gerade Lust auf Betonweg hatte, entschloss ich mich, durch den Friedhof hinauf durch geologisch interessantes Gebiet am Hang entlang zu wandern. Ich erinnerte mich nämlich noch so dunkel an eine geologische Exkursion, über die ich in einem Buch gelesen hatte und die genau den von mir eingeschlagenen Weg beschrieb.
Nach langsamen Aufstieg – wie gut dass man mit Fotoapparat die bitter benötigten Verschaufpausen als Fotostops tarnen kann – ging es dann auf halber Höhe Richtung Dossenheim. Vorbei an Zwergenkolonnien, Weinbergen hin zum Steinberg; einem seit dem Mittelalter für den Weinbau terrassierten Berghang, der auch heute noch für den Weinbau genutzt wird.  Und während ich so vor mich hinwanderte vertrieb ich mir die Zeit mit den verschiedensten Dosenfischer-Podcasts und so bemerkte ich nicht, dass sich der Weg Kehre um Kehre am Berghang entlangzog und Kilometer um Kilometer zusammenkamen.
Natürlich wurde ich auch aufgehalten durch diverse Überlegungen: Hier könnte eine super Location für eine Station sein; da kommt ein Hohlweg den Berg hinab, wo der wohl hinführt? Mal ein Weilchen diesem Weg folgen, ach nein, nach gefühlten 100 abgesteigenen Höhenmetern doch wieder kehrt gemacht.
Nun endlich war ich in der Nähe der Location, wo ich einen Cache vermutete (da es sich um einen Mystery handelt, muss ich ab jetzt etwas kryptisch werden) und was machte mein gelbes E? Konnte sich an einer Weggabelung mal wieder nicht entscheiden und liess mir die Wahl, rechts oder links. In diesem Moment waren dann auch noch die Podcasts zu Ende und schauerliche Stille umgab mich!

Natürlich schlug ich den falschen Weg ein, wie sich im Nachhinein herausstellte und als ich dann auf der Kreuzung war, wo ich wieder hinauf hätte gehen müssen, blickte ich nur in einen dunklen, schwarzen Wald.
Das nebenan liegende Haus hatte schon die Aussenbeleuchtung angeschaltet; seit einiger Zeit war mir auch kein  Jogger oder Mountainbiker mehr begegnet und  die nahe Turmuhr schlug schon halb zehn Uhr abends.
193 Meter bis zum Ziel! meldete mein gelbes E.
193 Meter Luftlinie, 193 Meter dunkler Wald voller gefährlicher Raubtiere, Wegelagerer und Räuberbanden; die sich in meinem Unterbewusstsein gerade im nächsten Unterholz zusammenrotteten und nur darauf warteten, dass ich mit meiner funzeligen Taschenlampe unbedingt einen Cache heben will.
Darf ich als struwwelchen nicht auch mal feige sein? Doch! Ich entschied mich für die Feiglingsvariante und machte mich schweren Herzens wieder auf den Rückweg! Bei der merkwürdigen Gestalt, die mir zwei Strassen später entgegenkam, war ich im nachhinein auch ganz froh drüber, nicht allein im Wald zu sein.
Und was war, der Rückweg war in knapp 25 Minuten zurückgelegt! Punkt 10 Uhr kam ich an meinem Cachemobil an; erschöpft aber glücklich, mein PDA meldete einen Rundkurs von annähernd 10 km, den ich zurückgelegt hatte und keinerlei Frustgefühle, weil ich so kurz vor dem Ziel zurückgezogen hatte!
Nein, im Gegenteil, ich war total aufgedreht und glücklich! Das müssen diese berüchtigten Endorphine sein, die bei Marathonläufern kurz vor dem Ziel freigesetzt werden; bei mir waren es dann die Wanderendorphine, die kommen schon nach 10 Kilometern!