Cover von "Cache Wir finden ihn!Nachdem ja schon Bichsnsammler und ksmichel über das Erscheinen dieses Buches geschrieben haben, hatte ich die Gelegenheit bekommen, direkt vom Verlag ein Belegexemplar zu erhalten und zu besprechen.
Denn weder die Pressemitteilung via ksmichel  noch die Kurzbesprechung von Bichsnsammler befriedigten meine Neugierde.

Zum Buch selbst

Cache Wir finden ihn!
Andrack, Michael und Wirbeleit, Patrick (Illustrationen)
München, mixtvision-Verlag, 2009
ISBN 978-3-939435-22-8

170 Seiten mit Softcover-Umschlag, Einstecklasche im hinteren Buchrücken mit einem Aufkleber für den ersten eigenen versteckten Cache.
DIN A 5 Format, lässt sich gut in einer Tasche verstauen und ist mit einer Fadenheftung auch relativ widerstandsfähig.

Zum Inhalt

Die Geschwister Clara (9 Jahre) und Victor (11 Jahre) sollen überraschend ihren Sommerurlaub bei ihrem Onkel auf einem Bauernhof in der Eifel verbringen. Anstatt einen aufregenden Urlaub am Strand nun ländliche Einöde, so hält sich die Begeisterung der beiden sehr in Grenzen, zumal ihr 14jähriger Cousin bisher wenig Interesse an seinen kleinen Verwandten gezeigt hatte.
Doch wie der „Zufall“ es will, der Onkel hat ein GPS-Gerät, das die beiden sogleich entdecken und ausprobieren.
Der Onkel bemerkt das Interesse der beiden und macht sie auf Geocaching aufmerksam. Nachdem die beiden allein ihren ersten Traditional gefunden haben, machen sie sich sogleich an einen ausgewachsenen Multi heran und geraten im Wettstreit um den FTF von einem Abenteuer in das nächste. Inzwischen haben sie sogar ihren zuerst unmutigen Cousin Sven zum Mitmachen bewegen können.
Auf ihrer Suche nach den verschiedenen Stationen begegnen sie einigen merkwürdigen Gestalten, Konkurrenten der unangenehmen Art und weihen nebenbei noch den ortsansässigen Förster in ihr Treiben ein.

Gesagt, getan, nach mehreren Anläufen finden die drei den Cache, das Rätsel um den geheimnisvollen Riesen, der mehrmals ihre Wege kreuzte wird aufgelöst und am Ende gefällt es ihnen in der Eifel so gut, dass sie auf den Strandurlaub ganz verzichten wollen.

Meine Meinung

Die Geschichte an sich – zwei Kinder kommen über ein Mitglied der Familie zum Geocachen – ist ja noch plausibel und nachvollziehbar. Aber dass ein 11jähriger ohne jegliche Einführung ein GPS der höheren Kategorie – es ist eines mit Kartendarstellung, um hier um eine konkrete Namensnennung herumzukommen  – bedienen kann, finde ich doch etwas unrealistisch. Auch nicht erklärt wurde das Auffinden der Cachebeschreibung im Internet; auch hier verfügte Victor anscheinend über geheimes Vorwissen, einschliesslich eines Cachernamens für sich und seine Schwester, denn beide loggen im Cache mit ihren Nicknames.
Nun zum Cache selbst: Dass Journalisten, die in einem Zeitungsartikel über Geocaching berichten,  mal die eine oder andere Bezeichnung verwechseln, mag man ja noch nachvollziehen können; aber ist denn beim Korrekturlesen niemandem aufgefallen, dass ein Multi-Cache nicht aus einzelnen Caches, sondern aus einzelnen Stationen besteht und nur am Ende ein Cache wartet…?
Ausserdem wird für das Lösen der einzelnen Stationen durchaus Spezialausrüstung benötigt; zum Beispiel ein Barcodeleser, an einer anderen Stelle ein Kassettenrecorder oder der Besuch einer Seite im Internet ist für das Weiterkommen unabdingbar.
Dies ist bei einem ordentlich gelisteten Cache im Listing aufgeführt und führt nicht wie im Buch zu Überraschungen und  Zwangspausen mit Rückkehr zum „Basislager“.
Dass nun gerade Kinder, die einen  (1!!!) Traditional als Fundstatistik vorweisen können, sich nun gerade an einen Multi solchen Schwierigkeitsgrades heranmachen und auch  noch lösen ist ebenfalls wohl der dichterischen Freiheit mehr als der Realität geschuldet.

Die üblichen Probleme, auf die Geocacher stossen, nämlich andere Cacher, die mutwillig Stationen zerstören, um als erste einen Cache zu finden, Cacher, die ohne Rücksicht auf die Natur mit Motorrädern durch den Wald „brettern“ und sich beim Zusammentreffen als extrem kinderunfreundlich outen, werden zwar auch thematisiert, aber warum musste da ein Pärchen für alle Probleme herhalten?
Man könnte ja fast den Eindruck bekommen, dass erwachsene Geocacher aus der Stadt totale Unsympathen sind!

Positiv zu bewerten ist, dass der ortsansäsige Förster zwar etwas gegen das Motorradfahren im Wald hat, nicht aber gegen das Geocaching selbst!
Witzig sind die Illustrationen von Patrick Wirbeleit, die sehr gut zur Geschichte passen, allerdings nur schwarz-weiss vorhanden sind.

Alles in allem ein nettes, unterhaltsames Kinderbuch, das aber meiner Meinung nach nicht die Wirklichkeit des Geocachens abbildet. Vorallem nicht, wenn man mit diesen Erwartungen als Anfänger mit Cachen beginnt.

Sehr schön ist der Anhang, in dem neben den deutschen Geocaching-Seiten auch noch ein Glossar mit eingebunden ist, das allerdings bei der Beschreibung des „Multicaches“ tatsächlich auch  die Verwechslung von Cache und Stationen beinhaltet.

2 mit Grips und GPSZum Buch gibt es noch eine Seite www.2-mit-grips-und-gps.de, die sehr schön gestaltet ist, allerdings inhaltlich doch sehr den Seiten im Anhang des Buches gleichen.
Einzig die Verknüpfung der kindgerechten Caches mit opencaching.de bietet hier einen nennenswerten Mehrwert.

Zusammenfassung

Ein unterhaltsames Kinderbuch, das das „Trendhobby“ Geocaching zum Thema hat – und vielleicht auch dem einen oder anderen Lust auf eine Probetour macht.
Als Anleitung für Eltrn, die wissen wollen, wie Kinder cachen können oder gar als Leitfaden finde ich es nicht ganz gelungen, da haben sich doch ein paar dichterische Freiheiten „eingeschlichen“.

Trotz aller Kritik durchaus empfehlenswert.
Der Preis von 12,90 € ist akzeptabel

Wer das Interview mit Manuel Andrack über sein Buch lesen will, findet es hier.